30jähriger Krieg aus Sicht der offiziellen Geschichtsschreibung

Bild entnommen aus der "Rhein-Zeitung" vom 11.05.2018

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Original-Artikel vom 15.05.2018 aus der "Rhein-Zeitung"
Autor: Christoph Driesen
30jähriger Krieg heute gesehen(offiziell
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Text aus der "Rhein-Zeitung" vom 11.05.2018:

Westfälischer Frieden als

Blaupause für Syrien-Konflikt?

Jahrestag Dreißigjähriger Krieg weist viele Parallelen mit der Gegenwart auf

 

RZ Koblenz und Region vom Freitag, 11. Mai 2018, Seite 6 

 

Zitternd drängen sich Vater und Mutter Friese mit ihren Kindern auf dem Dachboden zusammen. Sie stehen schier unerträgliche Todesangst aus. Gestern noch war ihre Welt in Ordnung. Da lebten sie als wohlhabende Bürger in einer der bedeutendsten deutschen Städte, größer als Berlin, größer als München: Magdeburg. Aber an diesem Morgen des 20. Mai 1631 sind feindliche Soldaten in die Stadt eingedrungen, die jetzt plündern, brandschatzen und morden. Die Frieses horchen panisch hinaus auf die Straßen. Vielleicht werden die Totschläger sie hier oben nicht finden? Doch plötzlich steht einer in der Tür, in der Hand einen Spitzhammer. Sofort geht er auf den Vater los. Mutter und Kinder schreien panisch. Ist das das Ende?

Da tritt der jüngste Sohn auf den Soldaten zu, der kleine Christian, der erst vor Kurzem laufen und sprechen gelernt hat. „Ach, lasst doch nur den Vater leben!“, bettelt er. „Ich will euch gern meinen Dreier, den ich am Sonntag bekommen habe, geben“ – sein Taschengeld also. Und da geschieht es: Der Angreifer hört auf zu schlagen. Seine Gesichtszüge entspannen sich, er lächelt. Es ist, als hätten die Worte des Jungen wieder Menschlichkeit in ihm geweckt. „Ey, das sind feine Bübel“, soll er gesagt haben.

 

Die bewegende Schilderung stammt von Christians damals zwölf Jahre altem Bruder Johann Daniel Friese. Ein kleines Wunder im großen Schlachten. Die Familie überlebte mit viel Glück das größte Inferno des Dreißigjährigen Krieges, die Zerstörung Magdeburgs. Damals sollen an einem Tag 20 000 der etwa 30 000 Einwohner gestorben sein. Der Historiker Christian Pantle spricht vom „Hiroshima des Dreißigjährigen Krieges“.

 

 

Das große Sterben beginnt 1618 mit dem Prager Fenstersturz

Am 23. Mai ist es genau 400 Jahre her, dass der Krieg mit dem Prager Fenstersturz begann. Dabei wurden katholische Statthalter von wütenden Protestanten aus einem Fenster der Prager Burg geworfen. Aus dieser lokalen Krise im Königreich Böhmen entwickelte sich der verheerendste Konflikt der deutschen Geschichte, bis dieser traurige Rekord 300 Jahre später vom Ersten Weltkrieg abgelöst werden sollte. Genaue Opferzahlen sind zwar nicht bekannt. Die Mehrheit der Historiker nimmt allerdings an, dass die Bevölkerung Deutschlands von 15 bis 16 Millionen auf weniger als zwölf Millionen gesunken ist. Dabei waren die Regionen unterschiedlich stark betroffen: Ein Korridor der Zerstörung zog sich von Mecklenburg-Vorpommern über Mitteldeutschland und Hessen nach Bayern.

 

Wenn man den prozentualen Anteil der Bevölkerung, der durch den Konflikt umkam, zum Maßstab nimmt, war der Dreißigjährige Krieg sogar der blutigste überhaupt: Selbst nach den vorsichtigsten Schätzungen verringerte sich die Bevölkerung um 15 Prozent – weniger durch Schlachten als durch Seuchen. Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger gibt den Forschungsstand wieder, wenn er schreibt, dass der Dreißigjährige Krieg „zu den gewalttätigsten, brutalsten und zerstörerischsten Kriegen der Geschichte gezählt werden“ muss.

Das Geschehen ist von beklemmender Aktualität. Für den Politikwissenschaftler Herfried Münkler ist die Rebellion in Böhmen „strukturanalog zu dem, was inzwischen als Arabischer Frühling bezeichnet wird“. Also zur Serie von Rebellionen in der arabischen Welt seit Ende 2010. Und der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer sagt: „Vergleichen Sie Syrien mit einer Geschichte des Dreißigjährigen Krieges: Es trifft fast eins zu eins zu. Es gibt da sehr, sehr viele Gemeinsamkeiten. Das geht so weit, dass Sie Magdeburg mit Aleppo vergleichen können.“

Wie konnte es überhaupt zu der „Urkatastrophe der Deutschen“ kommen? Es gibt mehrere Erklärungen. Die neueste: Das Klima war schuld. Im 17. Jahrhundert erlebte Europa eine Kleine Eiszeit. Es war im Durchschnitt 2 Grad kälter als heute, der erste Schnee fiel schon im Herbst. Die Sommer waren kurz, kühl und nass, was zu Missernten und zu einer Verteuerung von Lebensmitteln führte.

„Während der größere Teil der Gesellschaft tendenziell verarmte, zeitweise sogar hungerte, machten Grundherren, Großbauern, Händler, aber auch Müller, Bäcker und Metzger glänzende Geschäfte“, schreibt der Historiker Georg Schmidt. „Die Schere zwischen Reich und Arm, zwischen Oben und Unten öffnete sich weiter.“

 

Einige Historiker glauben deshalb, dass der Dreißigjährige Krieg auch ein Verteilungskampf um verknappte Ressourcen war. Als sicher gilt, dass die Klimaveränderung eine der Hauptursachen der Hexenverfolgung war, die während des Krieges ihren Höhepunkt erreichte. Der „Schadenszauber“ der als Hexen verleumdeten Frauen wurde für Missernten, Hagelstürme und Überschwemmungen verantwortlich gemacht.

In mancherlei Hinsicht erscheint die Zeit des Dreißigjährigen Krieges vertraut: Es gab damals schon Aktien, Lochbildkameras und windbetriebene Wagen, die 50 Kilometer in der Stunde erreichten. Aber die Menschen dachten doch ganz anders als heute. „Alle waren tief religiös“, betont der Historiker Peter H. Wilson. „Alle waren davon überzeugt, dass ihre Version des Christentums den einzig wahren Heilsweg versprach.“ Der Glaube, katholisch, evangelisch-lutherisch und reformiert-calvinistisch, durchdrang das ganze Leben. Religion, Staat und Gesellschaft waren so stark miteinander verwoben wie heute in einem fundamentalistisch-islamischen Land. Erneut drängt sich hier der Vergleich mit Syrien auf: „Die Parallele, dass die Religion für machtpolitische Zwecke missbraucht wird, ist auch gegeben“, sagt Joschka Fischer. „Der innerislamische Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten wird sowohl vom Iran als auch von sunnitischen Mächten wie Saudi-Arabien und anderen benutzt.“

Auch im Dreißigjährigen Krieg ging es nur vordergründig um Religion. Dahinter standen vielmehr ganz konkrete Machtinteressen. So kämpfte das katholisch geführte Frankreich auf der Seite der Protestanten gegen die katholischen Habsburger, die in Wien und Madrid regierten. Dänemark und Schweden mischten sich ebenfalls ein – ähnlich wie heute in Syrien der Iran, Russland und die Türkei.

Der Krieg setzte große Flüchtlingsströme in Gang. „Ich sah Mütter, die mehrere Kinder, zwei auf dem Rücken und eines auf den Armen, daherschleppten“, schilderte ein Abt. Der Anblick sei „kaum auszuhalten“ gewesen. Wer noch etwas Geld und die nötigen Kraftreserven hatte, versuchte, sich in die Niederlande durchzuschlagen, damals das reichste und freieste Land Europas.

 

Bald war jeder dritte Einwohner von Amsterdam Deutscher. Der lutherische Kirchenrat der Stadt registrierte 1631, dass „täglich Personen, die aus Magdeburg geflüchtet sind, hier ankommen und um Hilfe ersuchen“. Trotz der Massenzuwanderung kam es in den Niederlanden nie zu Anschlägen auf Flüchtlinge. Misstrauen gab es allerdings schon. So klagte ein Ratsherr, früher habe er die Haustür einfach offen gelassen, aber mittlerweile sei das wegen der vielen Fremden nicht mehr möglich.

Niederländische Rüstungsfabrikanten verdienten derweil prächtig an dem großen Schlachten: Sie versorgten beide Seiten mit Kanonen, Pulver und Pistolen. Einer der größten Profiteure des Krieges war Albrecht von Wallenstein, der als klassischer Warlord selbst eine Armee aufstellte und unermesslich reich wurde. Allein die „Kuchl-Partei“, eine Küche auf Rädern, die ihn ständig begleitete, umfasste 40 vierspännige Karossen.

 

Aus dem Westfälischen Frieden, der den Krieg 1648 schließlich beendete, versuchen Forscher heute, Lehren für aktuelle Konflikte zu ziehen. So gibt es in Großbritannien an der Universität Cambridge das Projekt „A Westphalia for the Middle East“. Noch als Außenminister regte Frank-Walter Steinmeier vor zwei Jahren an, man solle sich bei der Suche nach einer Lösung für den Nahostkonflikt am Westfälischen Frieden orientieren.

 

 

Die Friedensgespräche zogen sich über mehrere Jahre hin

Ausgehandelt wurde der Frieden von 1644 bis 1648 im katholischen Münster und im protestantischen Osnabrück. Es war eine Konferenz, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte: 109 diplomatische Vertretungen aus 16 europäischen Staaten beteiligten sich. Die Verhandlungen bildeten die Grundlagen des modernen diplomatischen Protokolls heraus, etwa Begrüßungs- und Verabschiedungszeremonien und Rangfolgen. Auch der „Ehrenlaufsteg“ oder Rote Teppich, der schon aus den antiken Quellen belegt ist, wurde damals wiederentdeckt.

Der Verhandlungsmarathon war erfolgreich, weil am Schluss jede der beteiligten Mächte ihr Gesicht wahren konnte. Der Schlüssel dazu war das „Separieren der Konfliktebenen“, wie es Herfried Münkler ausdrückt: Die unterschiedlichen Konflikte zwischen Kaiser und Schweden, Kaiser und Franzosen, Niederländern und Spaniern wurden jeweils einzeln verhandelt. Dabei hätten die Diplomaten gleichzeitig sichergestellt, dass die Kompromisse am Ende nicht miteinander kollidierten, erläutert Münkler.

Eines der größten Probleme war die Demobilisierung der vielen Tausend Söldner. Man befürchtete, dass die arbeitslosen Berufssoldaten könnten plündernd durchs Land würden. So wie heute Experten davor warnen, dass viele IS-Kämpfer nach ihrer endgültigen Niederlage in Syrien nach Europa kommen könnten.

 

Während andernorts nicht mehr viel an den Dreißigjährigen Krieg erinnert, kann man die Schauplätze der vier Jahre währenden Konferenz in Münster und Osnabrück noch besuchen. Der Stolz beider Städte sind die holzvertäfelten Friedenssäle in ihren Rathäusern. Aus Gemälden blicken dort die Chefdiplomaten auf die Besucher herab. Im Rathaus von Münster wurde der Frieden beschworen. Von den Stufen des Osnabrücker Rathauses wurde er verkündet. Die Deutschen atmeten auf – endlich! Wird dieser Moment auch für Syrien kommen? „Am Ende wird es nach vielen, vielen Toten und furchtbaren Gräueltaten einen Kompromiss aller Beteiligten brauchen“, glaubt Fischer. „Ob der mit Assad erreichbar ist, das wage ich zu bezweifeln. Dazu hat der zu viele auf dem Gewissen. Wir werden es sehen.“ 

 

Christoph Driessen

 

RZ Koblenz und Region vom Freitag, 11. Mai 2018, Seite 6 

 

Karte 30jähriger Krieg aus der "Rhein-Zeitung"
Karte 30jähriger Krieg aus der "Rhein-Zeitung"

entnommen aus der "Rhein-Zeitung" vom 11.05.2018

Der Autor des Textes aus der "Rhein-Zeitung" vergleicht den 30jährigen Krieg mit dem Syrien-Konflikt heute.

Syrienkonflikt heute
Syrienkonflikt heute

Der Dreißigjährige Krieg war für die Zeitgenossen eine Katastrophe. Millionen starben an Seuchen, Hunger und direkten Kriegseinwirkungen. Vordergründig ging es in dem Konflikt um Religion. Tatsächlich waren aber auch politische und wirtschaftliche Interessen im Spiel. Ähnlich wie im aktuellen Syrien-Konflikt versuchten damals auch viele ausländische Staaten, von den verheerenden Schlachten zu profitieren. Fotos: dpa

 

RZ Koblenz und Region vom Freitag, 11. Mai 2018, Seite 6

 

Die Bildbeschreibung kommt der Wahrheit schon näher. Siehe Beitrag von DIE TROMMLER, entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR.

 

Der einzigste wahre Fakt im Artikel ist der Hinweis auf die Kriegsprofiteure.

Anmerkungen von Petra Reichel:

Ach nee, das Klima war schuld. Warum scheut sich die offizielle Geschichtsschreibung  sachlich die Gründe für die 30 jährigen Krieg und die Machtkonstellation in Europa zuvor, darzulegen? 

 

 

Ebenso wird heute behauptet, dass das Klima an den Hexenverfolgungen schuld war. Ursache war doch wohl eher, dass diese Frauen aufgemuckt hatten und über Wissen verfügten, dass nicht unter die Leute gelangen durfte. Durch so eine dumme Behauptung wird das Volk heute genauso verdummt, wie damals. 

 

 

Es wird über die Niederlande als Ziel für die Flüchtlinge des 30jährigen Krieges gesprochen. Es gab aber auch in Deutschland Gebiete, die vom Krieg relativ schont wurden, wohin die Menschen flüchteten.

 

Wallenstein ein Warlord? Aus dem Artikel geht nicht hervor, dass Wallenstein im Auftrag des Kaisers handelte, vorübergehend den Auftrag entzogen bekam und später einen neuen Auftrag bekam, um im Krieg zu agieren. Wallenstein suchte nach einem Weg den Krieg zu beenden. Er wurde am Ende erneut abgesetzt und der Kaiser gewann dessen Generale und Obersten. Diese wollten den Krieg weiterführen, um sich weiterhin persönlich zu bereichern. Auf kaiserliche Weisung wurde Wallenstein von ihnen ermordet. Das hat mit den heutigen Warlords wenig zu tun, die meist auf eigene Faust handeln.

 

 

Was hat der 30jährige Krieg mit dem „arabischen Frühling“ zu tun? Nichts.

 

Ebensowenig kann der „westfälische Frieden“ ein Vorbild dafür sein den Syrienkonflikt zu beenden. 

 

 

 

DIE TROMMLER hat sich mit dem Thema beschäftigt und das Geschichtsbuch der DDR  zu Rate gezogen. Näheres siehe in den Beiträgen von DIE TROMMLER.