Die allmähliche Herausbildung des Monopolkapitalismus in Deutschland

Entstehung und Entwicklung der Monopole

Die Gesetze der Kapitalistischen Wirtschaft bewirkten eine ständige Konzentration des Kapitals und der Produktion. Die Folgen der Krisen machten das besonders sichtbar. Die größeren Betriebe vermochten viele kleinere Betriebe aufzukaufen (siehe: "Die Entwicklung Deutschlands zu einer führenden Industriemacht"). Außerdem waren sie in der Lage, neue technische Verfahren und Erfindungen schneller einzuführen. (siehe: "Die Entwicklung Deutschlands zu einer führenden Industriemacht")

Das Siemenswerk in Berlin-Charlottenburg um 1900. (Zeitgenössische Darstellung)
Das Siemenswerk in Berlin-Charlottenburg um 1900. (Zeitgenössische Darstellung)

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In der deutschen Schwerindustrie, speziell in der Rüstungsindustrie, spielte Krupp eine entscheidende Rolle. 1892 schaltete er seinen ärgsten Konkurrenten durch Ankauf der Magdeburger Grusonwerke aus.  Der Großindustrielle Stumm beherrschte die Schwerindustrie des Saargebietes.

 

Jetzt wirkten sich auch die zum Teil schon vor 1890 entstandenen neuartigen Verbindungen zwischen den Großbetrieben aus.

Bereits 1879 wurde eine Verbindung zwischen den Kaliwerken geschlossen, die praktisch die gesamte Kaliproduktion Deutschlands beherrschte. 1893 kam es zur Gründung des Rheinisch-Westfälischen Kohlesyndikats. Die darin zusammengeschlossenen 98 Steinkohlezechen vereinigten 87 Prozent der Steinkohleproduktion des Ruhrgebietes und 45 Prozent der deutschen Steinkohlenproduktion. Auch in der Stahlindustrie kam es 1886 zur Gründung des Rheinisch-Westfälischen Roheisenverbandes, dem 17 Hochofenwerke angehörten.

 

In der chemischen Industrie bestanden um 1890 sechs Betriebe, die die gesamte chemisch Industrie beherrschten. Vier große Elektrogesellschaften, zu denen die AEG und Siemens gehörten, kontrollierten die gesamte Elektroindustrie in Deutschland.

Auch auf dem Gebiet des Bankwesens zeigte sich dieser Prozess. Einige wenige Großbanken nahmen eine beherrschende Stellung ein.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Diese riesigen Industriebetriebe und Banken sowie die verschiedenartigen Zusammenschlüsse von Betrieben waren in der Lage, die Produktion und die Preise innerhalb des entsprechenden Industriezweiges zu bestimmen. Kleinere Unternehmen mussten sich nach ihnen richten. Diese großen Betriebe verfügten deshalb über die Alleinherrschaft oder die Monopolstellung, man nennt sie darum Monopole. In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts zeigten sich in der Wirtschaft und Politik der wichtigsten kapitalistischen Länder immer stärker Erscheinungen, die das Ende der Entwicklung des Kapitalismus der freien Konkurrenz offenbarten und den Beginn einer neuen Epoche des Monopolkapitalismus, ankündigten. 

Die Auswirkungen und die Rolle der Monopole in Politik und Gesellschaft

Sie Herausbildung großer Monopole führte zu weiterer Aufsplitterung der Kapitalistenklasse. Auf der einen Seite bildete sich eine kleine Schicht von Monopolkapitalisten heraus, die eine große wirtschaftliche und damit politische Macht in ihren Händen hatte. Viele mittlere und vor allem kleine Kapitalisten mussten ihre Fabriken verkaufen. Andre wurden abhängig von den Monopolen. Dadurch kam es nun verstärkt zu Interessenkämpfen innerhalb der Bourgeoisie

 

Durch die Entwicklung der Großindustrie und die Konzentration im Bankgewerbe, im Verkehr und teilweise auch schon im Handel wurden nicht nur Teile der Bourgeoisie betroffen, sondern auch breiten Schichten des Kleinbürgertums und der Bauernschaft wurden ruiniert. Die Handwerker mussten sich mehr und mehr auf Reparaturarbeiten beschränken. Das beeinträchtigte natürlich auch ihre materielle Lage. Viele Handwerker wurden zu Proletariern.

 

Die Monopolkapitalisten nahmen jetzt auch immer stärker auch die gesamte Politik des Deutschen Reiches Einfluss. Monopolisten wie Krupp, Siemens und Stumm hatten enge Beziehungen zu hohen Beamten, Militärs und vor allem zum Kaiser. Sie versuchten immer wieder mit Hilfe staatlicher Machtorgane, das Volk und besonders die Arbeiterklasse zu entrechten und die Kampfkraft des Proletariats zu brechen. Durch gesetzliche und militärische Maßnahmen sollten die wenigen demokratischen Rechte des Volkes – Wahlrecht, Koalitionsrecht, Versammlungsfreiheit – völlig beseitigt werden.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Polizei geht gegen Demonstranten in Berlin 1892 vor. (Zeitgenössische Darstellung)
Polizei geht gegen Demonstranten in Berlin 1892 vor. (Zeitgenössische Darstellung)

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die antidemokratischen Maßnahmen sollten nicht zuletzt der Durchsetzung einer verstärkten Militarisierungspolitik dienen; denn die Nutznießer der weiteren Aufrüstung waren die Monopolisten der Schwerindustrie, die zugleich die Rüstungsindustrie beherrschten.

Ausbeutung und Kampf der Arbeiterklasse

Mit der Herstellung der Monopole vergrößerten sich in den 1890er Jahren auch die Industriebetriebe und Industriezentren. Die Zahl der Arbeiter wuchs weiter an. Das spiegelte sich im Wachstum der Städte wider.

Die Zunahme der Stadtbevölkerung
Die Zunahme der Stadtbevölkerung

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Auf der einen Seite immer weniger, aber mächtigere Großkapitalisten und auf der anderen Seite die wachsende Anzahl der Arbeiter in den Industriezentren, das kennzeichnete die Situation des Klassenkampfes.

 

Die Monopolherren versuchten, gestützt auf die staatliche Macht, die Arbeiter immer stärker auszubeuten. Unter ihrer Führung fassten die Vereinigungen der Unternehmer entsprechende Beschlüsse.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die zahlenmäßige Vergrößerung und die Zusammenballung der Arbeiterklasse in großen Industriezentren ermöglichte einen Aufschwung der revolutionären Bewegung.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zählte 1890 etwa 100 000, 1895 bereits 150 000 Mitglieder. Sie war zur größten Partei Deutschlands geworden. In den Reichstagswahlen 1890 errang sie über 1,4 Millionen, 1893 fast 1,8 und 1898 über 2,1 Millionen Stimmen.

 

Die Gewerkschaften erhöhten ihre Mitgliederzahlen von 227 000 im Jahre 1890 auf 680 000 im Jahre 1900. Im Jahre 1892 kam es zur Vereinigung der verschiedenen Berufsgewerkschaften zu einer Dachorganisation mit gemeinsamer Leitung. Das befähigte die Arbeiter, große Streikkämpfe gegen die kapitalistischen Ausbeuter und gegen die reaktionären Pläne der Militaristen zu führen.

So führte die Herausbildung der Monopole zu einer Zuspitzung des Klassenkampfes.

 

Dieser Kampf und die Macht der sozialistischen Bewegung übte auch einen Einfluss auf humanistisch gesinnte Kreise des Bürgertums aus. Wissenschaftler und Künstler wandten sich sozialen Fragen zu. Aus diesem Kreis ragte die bedeutende Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz heraus, die 1897/98 mit ihrem Zyklus „Ein Weberaufstand“ einen Ausgangspunkt für ihr revolutionäres Kunstschaffen fand.

 

Siehe die Radierungen von Käthe Kollwitz aus dem Zyklus „Ein Weberaufstand“ und das Gemälde von Mihály Munkáscy „Vor dem Streik“ sowie die Radierung „Karl Marx“ von Heinrich Zille aus dem Jahre 1900. diese ist Teil der Titelseite des Geschichtsbuches der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982.

Käthe Kollwitz: "Zug der Weber"; 1897, Radierung aus dem Zyklus "Ein Weberaufstand"
Käthe Kollwitz: "Zug der Weber"; 1897, Radierung aus dem Zyklus "Ein Weberaufstand"

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Teil des Rücktitels des Geschichtsbuches der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Mihály Munkáscy: "Vor dem Streik"; 1895, Ölgemälde; Budapest, Ungarische Nationalgalerie
Mihály Munkáscy: "Vor dem Streik"; 1895, Ölgemälde; Budapest, Ungarische Nationalgalerie

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Teil des Titels des Geschichtsbuchs der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die schnell wachsende Arbeiterbewegung zog jedoch auch kleinbürgerliche Kräfte an, die ihre falschen Auffassungen in die Arbeiterbewegung trugen. Er Einfluss antimarxistischer Auffassungen wuchs an. Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine neue opportunistische Richtung in der Arbeiterbewegung, der Revisionismus

 

So war die Zeit der Hausbildung der Monopole nicht nur der Ausgangspunkt für neue Erscheinungen in Wirtschaft und Politik der herrschenden Klassen; auch die Arbeiterbewegung sah sich vor neue große Aufgaben gestellt.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

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