John Heartfield

John Heartfield, geboren am 19. Juni 1891 in Schmargendorf, verstorben am 26. April 1968 in Berlin/DDR. Sein eigentlicher Name ist Helmut Herzfeld, fälschlicherweise  manchmal Herzfelde geschrieben. Er war ein deutscher Maler, Grafiker, Fotomontagekünstler und Bühnenbildner und gilt landläufig als der Erfinder der politischen Fotomontage. 

Sein Bruder ist Wieland Herzfelde.

John Heartfield - 15 Pf-Sondermarke der DDR-Post 1971 aus der Serie "Berühmte Persönlichkeiten"
John Heartfield - 15 Pf-Sondermarke der DDR-Post 1971 aus der Serie "Berühmte Persönlichkeiten"

Bildquelle: Von Hochgeladen von --Nightflyer (talk) 19:28, 10 October 2009 (UTC) - eigener Scan, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8031128    

Helmut Herzfeld kam als erstes von insgesamt vier Kindern des Schriftstellers Franz Held (eigentlich Franz Herzfeld) und Alice Herzfeld geb. Stolzenberg zur Welt. Im Jahre 1895 wurde Franz Held wegen Gotteslästerung zu einer Haftstrafe verurteilt. Darauf zog die Familie in die Schweiz und später nach Aigen bei Salzburg. Aus nicht geklärter Ursache verließen die Eltern im Sommer 1899 ihre Kinder, Helmut Herzfeld und seine Geschwister wurden von dem Ehepaar Ignaz und Clara Varschein aufgenommen. Vormund wurde sein Onkel Joseph Herzfeld, der sich jedoch nicht besonders um ihn gekümmert haben soll.

 

Im Jahre 1905 begann Helmut Herzfeld eine Lehre als Buchhändler in Wiesbaden, an die sich von 1908 bis 1911 ein Studium an der Kunstgewerbeschule München anschloss. 1912 arbeitete er zunächst als Werbegrafiker in München. Da ihn diese Aufgabe nicht ausfüllte, begann er im selben Jahr ein Studium an der Kunst- und Handwerkerschule in Charlottenburg.

 

Im Jahre 1914 wurde Herzfeld bei Beginn des Ersten Weltkriegs als Soldat zum in Berlin stationierten Garde-Grenadier-Regiment „Kaiser Franz“ eingezogen.

 

Nachdem er 1915 wegen einer simulierten Nervenkrankheit aus der Armee entlassen worden war, nannte sich Herzfeld ab 1916 offiziell „John Heartfield“. Damit wollte er gegen den im Deutschen Kaiserreich herrschenden und insbesondere englandfeindlichen Nationalismus protestieren. Anlass war der Slogan Ernst Lissauers „Gott strafe England“. Im folgenden Jahr gründete er zusammen mit seinem Bruder Wieland Herzfelde den Malik-Verlag in Berlin.

 

Am 31. Dezember 1918, ihrem Gründungstag, trat John Heartfield der KPD bei.

 

1924 erschien Heartfields erste politische Fotomontage „Väter und Söhne“. Auf dem Bild ist Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg zu sehen, hinter dem Soldatenskelette stramm stehen. Ein Trupp Kinder in Kadetten-Uniform mit Gewehren über der Schulter zieht an ihnen, den mutmaßlichen toten Vätern, vorbei.

 

1939 erschien ein gemeinsam mit Kurt Tucholsky  verfasstes Bilderbuch mit dem satirisch gemeinten Titel „Deutschland, Deutschland über alles“.

 

1930 wurde Heartfield ständiger Mitarbeiter der von Willi Münzenberg herausgegebenen „Arbeiter Illustrierten Zeitung““(AIZ), ab 1936 „Die Volks-Illustrierte“(VI), in der bis 1938 regelmäßig seine politischen Fotomontagen erschienen.

 

Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist mit „Millionen stehen hinter mir“ betitelt und zeigt Adolf Hitler, in dessen Gruß nach hinten geklappte Hand ein archetypischer Industrieller Geldbündel legt.

 

Auch seine übrigen Arbeiten wurden massenhaft verbreitet. Unter anderem auf Titeln vor allem linksgerichteter Zeitschriften und auf Plakaten der KPD.

1-Mark-Block der DDR-Post 1981mit einer Rekonstruktion einer Fotomontage von John Heartfield in der „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ Nr. 45 vom 16. November 1933; der vom Vorwurf der Reichstagsbrandstiftung freigesprochene Georgi Dimitroff übergroß dargestellt als Richter und ein kleiner Hermann Göring als Gerichteter

Bildquelle: Von Hochgeladen von --Nightflyer (talk) 20:50, 9 April 2009 (UTC) - Eigener Scan und Bearbeitung, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6456999

 

Ab dem Frühjahr 1981 lebte John Heartfield  für ein Jahr in der Sowjetunion und arbeitete dort an verschiedenen Projekten(Ausstellungen und Theaterstücke).

 

1933 floh John Heartfield vor den Faschisten in die Tschechoslowakei, nachdem die SA seine Wohnung gestürmt hatte. Von Prag aus setzte er seine Arbeit für oppositionelle Publikationen in Deutschland fort.

 

Am 03. November 1934 veröffentlichte der „Deutsche Reichsanzeiger“ die dritte Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches, durch welche Heartfield ausgebürgert wurde.

 

Eine Protestnote des deutschen Gesandten gegen ihn, erschwerte sein Schaffen im Exil.

 

Nach der Besetzung des Sudetenlandes floh John Heartfield am 06. Dezember 1938 mit Hilfe englischer Intellektueller auf dem Luftweg nach Großbritannien.

 

1940 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, da er als feindlicher Ausländer im Internierungslager festgehalten wurde. Er beteiligte sich an Veranstaltungen des Freien Deutschen Kulturbundes und betätigte sich als Buchgestalter für englische Verlage. Die Klasse seiner früheren Werke erreichte er jetzt nur noch selten.

 

Am 31. August 1950 kehrte John Heartfield über Prag nach Deutschland zurück und ging in die DDR. Er lebte bis 1956 in Leipzig. Zusammen mit seinem Bruder Wieland arbeitete er für verschiedene Theater, Verlage und Organisationen in der DDR.

 

Im Oktober 1950 kündigte der Kulturbund eine Heartfield-Ausstellung an. Diese kam aber nicht zustande, weil seine Fotomontagen unter Berufung auf  Georg Lukács als Formalismus  kritisiert wurden.

 

Heartfields Gesuch in die SED aufgenommen zu werden, wurde aus Sicherheitsgründen abgelehnt, weil er in England im Exil war.

 

1951 erlitt Heartfield den ersten Herzinfarkt, von dem er sich lange nicht erholte. Im November 1952 folgte der zweite Infarkt.

 

Berthold Brecht riet ihm nach Berlin und zu ihm in die Märkische Schweiz zu kommen.

 

 Erst 1954 nahm Heartfield seine Arbeit wieder auf. Im Juni desselben Jahres forderte der Schriftsteller Stefan Heym öffentlich die Aufnahme Heartfields in die Akademie der Künste der DDR. 1956 zog Heartfield nach Berlin und wurde zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste gewählt.

 

1957 bezog Heartfield ein Sommerhaus in Waldsieversdorf in der Märkischen Schweiz, das heute wieder als Gedenkstätte geöffnet ist. Im selben Jahr wurde ihm am 07. Oktober während einer Reise nach China durch den Botschafter der DDR der Nationalpreis für Kunst und Kultur überreicht.

 

 1960 wurde ihm der Professorentitel verliehen.

 

 

John Heartfield (Mitte) 1960 im Gespräch mit Otto Nagel und Wieland Herzfelde (r.) über eine seiner Fotomontagen.

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-73744-0001 / Ulrich Kohls / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5357967

 

1962 erkrankte Heartfield erneut schwer. Sein Bruder Wieland veröffentlichte im selben Jahr „John Heartfield. Leben und  Werk“.

 

1968 starb John Heartfield im Alter von 76 Jahren in Berlin/DDR. Er wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof  beigesetzt. Gemäß seinem Testament wurde in der Akademie der Künste der DDR ein John-Heartfield-Archiv eingerichtet.

Grab von John Heartfield auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin
Grab von John Heartfield auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel