Reformen in Preußen

entnommen aus "Geschichte in Übersichten", Berlin/DDR 1982

Die Ziele des Freiherrn vom Stein

Fortschrittliche Leute erkannten, dass der Zusammenbruch Preußens im Jahre 1806 kein Zufall war. Ihnen blieben die rückständigen gesellschaftlichen Verhältnisse nicht verborgen. Da ihnen die Zukunft Deutschlands am Herzen lag, drängten sie gerade auch in Preußen auf Veränderung. An der Spitze dieser politisch klugen Leute stand der Freiherr vom Stein. Er war kein Revolutionär, aber er trat für wirksame Reformen in Preußen ein. Die Geschichtsschreibung der DDR blendete allerdings aus, dass Freiherr vom Stein letztendlich gar nicht so fortschrittlich gesonnen war. Aus den verschiedensten politischen Richtungen ist sich auf Stein berufen worden.

Bildquelle:

Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Die Lage der Bauern sollte verbessert werden. Den Adel wollte er nicht abschaffen, aber in seiner wirtschaftlichen und politischen Macht beschränken. 

 

Freiherr vom Stein wusste, dass die französische Fremdherrschaft nicht ohne das Volk abgeschüttelt werden konnte.  Die Bauern und Bürger sollten sich in Zukunft nicht in erster Linie als Preußen, Sachsen, Mecklenburger usw. fühlen, sondern als Deutsche.

 

 Die Junker(Gutsherren) hassten Freiherr vom Stein, weil er sich als Patriot zeigte und nicht für ihre egoistischen Ziele eintrat. Sie erreichten, dass ihn der preußische König im November 1808 als Minister entließ, was auch Napoleon gefordert hatte. Die Rolle der Junker im Zusammenhang mit der Entlassung Steins als Minister wird in der Personenbeschreibung von Wikipedia ausgeblendet. Aber Freiherr vom Stein gab sich nicht geschlagen und setzte seinen Kampf gegen die französischen Unterdrücker fort. Daraufhin ließ ihn Napoleon verfolgen.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Die Veränderung der Lage unter den Bauern

Noch immer war der größte Teil der preußischen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Die Masse der Bauern und Landarbeiter  befand sich in einer Art Leibeigenschaft, der sogenannten Erbuntertänigkeit. Oft schon hatten sie an dieser feudalen Fessel gerüttelt und sich gegen die Unterdrückung aufgelehnt. Doch den Junkern(Gutsherren) gelang es stets, die aufflackernden Bauernunruhen zu ersticken.

 

Als preußischer Minister war Freiherr vom Stein mit einsichtsvollen Leuten bemüht, die menschenunwürdigen Zustände auf dem Lande zu beseitigen.

 

Am 09. Oktober 1807 erschien eine Verordnung, die den Bauern die persönliche Freiheit brachte. Sie ist als Oktoberedikt in die Geschichte eingegangen. Die Bauern konnten nun ohne Genehmigung des Gutsherrn den Wohnort wechseln und ihre Kinder ein Handwerk lernen lassen. Sie forderten seit langem aber auch die Beseitigung der Frondienste und Abgaben. Diesen Verpflichtungen mussten sie weiterhin nachkommen. Ihr Wegfall sollte erst durch neue Verordnungen geregelt werden. Auch die Gerichtsgewalt verblieb weiter in den Händen der Gutsherren. Die Junker versuchten, die eingeleiteten Maßnahmen vielfach zu erschweren und zu verhindern.

Die Städtereform

Wichtige Neuerungen ergaben sich in dieser Zeit auch für Bürger der preußischen Städte. Sie wurden von der Städteordnung vom 19. November 1808 festgelegt.

 

Während bisher die Verwaltung der Städte durch königliche Beamte erfolgt war, galt nun die städtische Selbstverwaltung. Die wohlhabenden Bürger erhielten das Recht Stadtverordnete zu wählen. Diese entschieden über alle wichtigen Angelegenheiten, wie z.B. Finanzen und Polizei, und wählten den Magistrat(Stadtrat). Für den Posten des Oberbürgermeisters konnten sie drei Kandidaten vorschlagen, die Bestätigung nahm jedoch der preußische König vor.

 

---Zu diesen Neuerungen kamen wirtschaftliche Veränderungen hinzu. Der Zunftzwang wurde aufgehoben und die Gewerbefreiheit erklärt. Damit waren dem Kapitalismus einige Hindernisse aus dem Wege geräumt worden.

Die Heeresreform

Napoleon hatte der preußischen Armee einen schweren Schlag versetzt. Sie konnte sich von ihm nur erholen, wenn sie insgesamt reformiert wurde. Zu dieser Einsicht kamen patriotische Offiziere, die sich um den General Gerhard David von Scharnhorst scharten.

 

 

Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Sein engster Mitarbeiter wurde August Neidthardt von Gneisenau. Beide hatten sich 1806/07 im Kampf gegen die französischen Truppen tapfer gehalten und nicht ehrlos gehandelt. Sie sahen, wie mutig die französischen Soldaten kämpften, weil sie keine Söldner waren und den Prügelstock nicht fürchten mussten. Scharnhorst und Gneisenau setzten sich deshalb das Ziel, die Grundlagen für ein Volksheer zu schaffen. Nach ihren Vorstellungen sollte die preußische Armee nicht mehr als Strafanstalt für Schwachköpfe und Taugenichtse gelten. Daher forderten sie vor allem:

 

  • Einführung der allgemeinen Wehrpflicht
  • Abschaffung der grausamen Strafen
  • Beseitigung der Vorrechte des Adels auf die Offiziersstellen
  • Änderung der militärischen Ausbildung und Kampfesweise

 

 

Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Es war nicht leicht, diese Vorstellungen zu verwirklichen, denn der preußische König und die Junker widersetzten sich allen weitreichenden Reformen. Sie hatten Angst vor den bewaffneten Bauern und Bürgern. Die Patrioten ließen sich jedoch durch die Haltung des Königs und der Junker nicht entmutigen. Schritt  für Schritt suchten sie ihre Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Dies gelang ihnen aber nur teilweise. Das Spießrutenlaufen und die Prügelstrafe wurden abgeschafft. Tüchtige und tapfere Soldaten sollten zukünftig Offiziere werden.  Außerdem schmiedeten sie Pläne, um große Teile des Volkes zu bewaffnen und gegen die Franzosen führen zu können.

 

Da Preußen nur 42 000 Mann unter Waffen halten durfte, kam Scharnhorst auf folgenden Gedanken: Ein Teil der Soldaten wird jeweils beurlaubt. An ihre Stelle treten neue Rekruten. Diese werden nach kurzer Ausbildung wieder verabschiedet. Durch diese laufende Abwechslung wird die Gesamtstärke der Armee nicht überschritten, aber das Land verfügt über viel mehr Männer, die an den Waffen geübt sind. Das Volk nannte die auf diese Weise ausgebildeten Soldaten Krümper.

 

---Die Reformen insgesamt dienten der Vorbereitung des nationalen Befreiungskampfes. Sie leiteten die bürgerliche Umwälzung in Preußen ein, die mehrere Jahrzehnte andauerte. Engels charakterisierte das Reformwerk daher als Beginn der bürgerlichen Reform in Preußen.

entnommen aus "Geschichte in Übersichten", Berlin/DDR 1982

In der BRD und der DDR gelten(galten) die preußischen Reformen als gesellschaftlicher Fortschritt. Insbesondere die Heeresreform steht(stand) in der Tradition von Bundeswehr und NVA.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Bearbeitet von Petra Reichel

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