Das Wohnungsbauprogramm als Kernstück

Von besonderer Bedeutung war das Wohnungsbauprogramm.  Man sagt deshalb auch, dass es Kernstück der sozialpolitischen Programms der DDR war.

Bildquelle:

Fotos der BAK-macher

http://www.bakbuch.de/Fotos_BAK-Kollegen.htm

 

Warum war das so?

Einmal war es so, weil eine gute Wohnung für das Wohlergehen jeder Familie Voraussetzung ist. In der DDR musste man lange auf eine Wohnung warten. Jungverheiratete Paare mussten, oft schon mit dem ersten Kind, bei den Eltern, bzw. Schwiegereltern leben. Junge Singles oder vorübergehende Partnerschaften hatten  keine Chance. Denn alle Wohnungen waren Sozialwohnungen und wurden als Sozialgut nach Bedürftigkeit verteilt. So hatten Familien den Vorrang. Hatte man aber erst eine Wohnung, so war diese unkündbar und spottbillig. Man musste sich dann niemals mehr Sorgen machen. Viele Menschen wohnten noch unter schwierigen Bedingungen in Altbauwohnungen. Auch sie warteten lange auf eine Neubauwohnung.  Die Freude war um so größer, wenn endlich eine Neubauwohnung zugewiesen wurde.

 

Es wurde viel gebaut. Neue Stadtviertel, Wohngebiete und Häuser wurden gebaut und veränderten das Bild der Städte. 

 

Das Wohnungsbauprogramm war so bedeutungsvoll, weil es mit großen Kosten verbunden war. Es erforderte viel Material und Arbeitskräfte.

Die Bauweise war rationell, heute sind diese Häuser als Plattenbauten verpönt und sind schlechtgeredet und geschrieben worden. Andererseits wird moderne Bauweise nach ähnlichem Konzept, heute Modulbauweise u.ä. genannt, als Neuheit angepriesen. Nun ja, „das Rad wird neu erfunden“, denn man darf ja nicht sagen oder schreiben, dass ähnliches bereits in der DDR dagewesen ist oder man gar Dinge aus der DDR als Vorbild nimmt. 

 

Neben dem Baumaterial wurde auch Material für die Einrichtung gebraucht, was ja in der DDR auch alles hergestellt und zum Verkauf bereitgestellt werden musste. Das war nicht immer einfach.

 

Es ging nicht nur um schöne Wohnungen. Auch die Infrastruktur musste stimmen. Man hatte daran gedacht auch viele Einrichtungen zu bauen, damit diese für die Bewohner der Neubaugebiete fußläufig erreichbar waren. Z.B. Kinderkrippen und-gärten, Schulen, Kulturhäuser, Turnhallen, Geschäfte Bibliotheken, Gaststätten, Jugendklubs und andere Dienstleistungseinrichtungen.

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Ausschnitt aus Erich Mielke Wahlkundgebu
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Das ist nach der Annexion der DDR „den Bach runtergegangen“. Die Neubauviertel sind heruntergekommen und oft soziale Brennpunkte geworden.  Die Infrastruktur ist beseitigt worden. Lange Wege sind zum Kindergarten, zur Schule und zum einkaufen zurückzulegen. Jugendklubs u.ä. gibt es oft nicht mehr. So ist die „Platte“ wiederrum in Verruf gekommen. In der DDR wusste niemand, was ein sozialer Brennpunkt ist.

 

Viele in der DDR neu errichtete Wohnungen sind nach der Annexion der DDR abgerissen worden. Sie passen nicht auf den kapitalistischen Immobilienmarkt. Andererseits sind bezahlbare Wohnungen Mangelware geworden.  

Soweit es nicht zu kostspielig war, wurde in der DDR auch der Rekonstruktion(Modernisierung) alter Häuser und Wohnungen Aufmerksamkeit geschenkt. Das war aber teurer und  aufwändiger, als Neubau. Anders, als bei heutigen Luxusmodernisierungen, bezahlte man in der DDR auch hierfür einen niedrigen, ja man kann sagen, sogar einen symbolischen Mietpreis. Bei den heutigen Luxusmodernisierungen werden die Mieter aus ihren Wohnungen und ihrem Viertel vertrieben, da sie die dann höheren Mietpreise nicht mehr bezahlen können. Es werden Szeneviertel daraus, wo es sich „Otto Normalo“ und „Lieschen Müller“ sich nicht leisten können dort zu wohnen.

Bild entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Nicht nur der Neubau und die Modernisierung alter Häuser, sondern auch die Unterhaltung, wie notwendige Reparaturen musste Aufmerksamkeit geschenkt werden. Vor allem musste das auch finanziert werden. Bei den symbolischen Mietpreisen war das ein Zuschussgeschäft.  Dies wurde vom Staat finanziert. Das machte mehr Sinn, als heutige Wohngeldzahlungen und Zahlungen über Hartz IV und Grundsicherung. Insbesondere, da bei  der heutigen Finanzierung der Wohnkosten aus den Sozialkassen sehr niedrige Sätze vorgegeben werden, die kaum der Realität entsprechen. So ist es soweit gekommen, dass das Sozialamt per Zeitung die Vermieter aufruft bezahlbare Wohnungen bereitzustellen. Das kommt einer Bettelei gleich. Ob das was nützt ist die Frage.

 

 

Sozialamt sucht

Wohnungen

Zusage Miete wird bezahlt

Bad Kreuznach. Zurzeit ist es sehr schwer, in Bad Kreuznach eine bezahlbare Wohnung zu finden. Noch schwieriger ist es für Menschen, die Sozialleistungen beziehen und daher an Obergrenzen gebunden sind, was eine Wohnung kosten darf. Beim Sozialamt sprechen fast täglich Menschen vor, die eine Wohnung suchen – sei es, dass die alte Wohnung durch Tod oder Wegzug des Partners zu teuer geworden ist oder durch die Geburt eines Kindes zu klein. Anderen droht der Verlust ihrer Wohnung, und einige Wohnungen sind so marode, dass sie kaum mehr bewohnbar sind. Die Wohnbaugesellschaften haben lange Wartelisten. Daher bittet das Sozialamt Vermieter, die freie Wohnungen haben, Kontakt unter Telefon 0671/800 253 aufzunehmen. Die Miete kann nach Absprache direkt vom Sozialamt gezahlt werden, sodass die Zahlung gewährleistet ist.

 

„Oeffentlicher Anzeiger“ vom Donnerstag, 16. August 2018,

1990 sollte in der DDR das Wohnungsproblem als soziales Problem gelöst sein. Der Wohnungsbau sollte fortgesetzt werden und die Erhöhung der Wohnkultur noch stärker in den Vordergrund treten. Doch dazu ist es bekanntlich nicht mehr gekommen.

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